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Die jüdische Gemeinde Laupheim und ihre Zerstörung

Gedenkbuch Seite 555  

WEIL, Bertha, und ZUCKER Cilly,

Radstraße 29

 

KARL NEIDLINGER

Bertha Weil, geb. Regensteiner, geb. 16. 9. 1862 in Laupheim, gest. 26. 9. 1942 im KZ Theresienstadt. Witwe von Eduard Weil, Handelsmann.
Cilly Zucker, geb. Weil, geb. 19. 9. 1884 in Laupheim. OO Viktor Zucker, Bäcker in Hofgastein/Österreich. Zuzug am 13. 12. 1938 aus Wien. Deportation am 28. 11. 1941 nach Riga. 

Seit 1730, als die ersten jüdischen Familien Aufnahme in Laupheim fanden, war auch die Familie Weil, aus Buchau kommend, in Laupheim ansässig. Das Friedhofbuch zählt 37 erhaltene Grabsteine mit dem Namen Weil auf. Im 19. Jahrhundert wurde das Gasthaus „Sonne“ zeitweilig von Angehörigen dieser Familie betrieben. Nach John H. Bergmanns genealogischen Forschungen zogen in diesem Jahrhundert zahlreiche Weils auch in die größeren Städte, vor allem nach Ulm, und in die USA. Im Jahr 1933 wohnten noch zwei Familien in der Stadt, Nachbarn in der Radstraße: Bertha und der im nächsten Kapitel vorgestellte Jonas Weil, welche aber nur noch weitläufig miteinander verwandt waren.

Bertha Weil und ihr Mann Eduard hatten vier Kinder, die zwischen 1884 und 1892 geboren wurden. Cilly war die Älteste, dann folgten die Söhne Jonas (1885), Max (1888) und Julius (1892). Schon seit dem Jahr 1901 war Bertha Weil aber alleinerziehende Mutter, denn Eduard entzog sich seinen Pflichten als Familienvater und setzte sich in diesem Jahr in die USA ab. Auch der Sohn Max wanderte im Jahr 1903 dorthin aus, über die anderen beiden ist nichts bekannt.

Irgendwann vor dem Ersten Weltkrieg heiratete Cilly Weil den Bäcker Viktor Zucker aus Hofgastein/Österreich und zog dorthin. Nach dem Tod ihres Mannes kam sie zum 13. Dezember 1938 wieder zu ihre Mutter zurück nach Laupheim, die bei den Riesers in der Radstraße 29 zur Miete wohnte. Für beide werden allerdings auch andere Adressen angegeben, Judenberg 12 und König-Wilhelm-Straße 26. Ende 1939 mussten sie in das jüdische Altersheim umziehen. Bei der ersten Deportation im November 1941 traf es dann die Tochter, die im KZ Riga umkam, und ein Dreivierteljahr später dann die achtzigjährige Mutter, die nach Theresienstadt verschleppt wurde, wo sie im September 1942 verstarb

 

Ging mit 15 in die USA:

Max Weil als Erstklässler im Jahr 1895.


 

 

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