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Die jüdische Gemeinde Laupheim und ihre Zerstörung

Gedenkbuch Seiten 561 - 562 

WEILER, Max und Jette

 Bäckerei, Judenberg 17

 

BRIGITTE SCHMIDT

Max Weiler, Judenberg 17, geb. 1. 6. 1866 in Mühlheim, Baden, gest. 16.1. 1943 im KZ Theresienstadt, OO Jette Weiler, geborene Löwenstein, geb. 29. 10. 1864 in Laupheim, gest. 10. 5. 1944 im KZ Theresienstadt.
Klara Weiler, geb. 5. 11. 1894 in Laupheim, ermordet 22. 8. 1942 im KZ Riga,
Jakob Weiler, geb. 3. 5. 1896 in Laupheim, gefallen 17. 11. 1916 an der Somme. 

Max Weiler, von Beruf Bäcker, heiratet in Konstanz am 4. Mai 1893 die aus Laupheim gebürtige Jette Löwenstein. Jette ist die Tochter von Josef Löwenstein, der in Laupheim, Judenberg 17, eine Bäckerei betrieb, das Haus hatte er 1888 erworben.

Das Paar zieht nach Laupheim ins Elternhaus der Braut. Das Haus Judenberg 17 hatte 98 m2, zwei Stockwerke und beherbergte im südlichen Anbau die Bäckerei.

Max Weiler erhält den Beinamen „Mazzenbäck“. Bereits 1898 beauftragt er als Bauherr den Abriss des alten Kamins der Backstube und den Bau eines neuen. Ein Bauplan wird erstellt und die Genehmigungsurkunde von sieben Gemeinderäten beglaubigt.

          

Das Haus Judenberg 17 um 1950. Der Familie Weiler gehörte die linke Haushälfte. Das Haus im heutigen Zustand (rechts). (Foto: M. Schick)

1919 war ein Anteil am Wohnhaus Bronner Straße bei einer Versteigerung zum Preis von 750 Reichsmark erworben worden. Verkäufer war die israelitische Kultusgemeinde, den Verkauf bestätigten Dr. Treitel, S. Heumann, Steiner, Weil und Hofheimer. Dort hatte Jette Weiler wohl ein Magazin eingerichtet. Max Weiler war nicht nur für seine Mazzen bekannt, man wusste auch, dass er unter der Bäckerei Gänse hielt, die er mit Brotresten stopfte. Gänsebraten und Stopfleber galten zur damaligen Zeit als Delikatesse.

Zwei Kinder werden geboren, Klara, die unverheiratet bleibt und bei den Eltern in Laupheim wohnt, und Jakob, von Beruf Kaufmann, der am 14. Oktober 1915 zur Armee eingezogen wird. Er kommt als Musketier zum Infanterie-Regiment Nr. 169 und ist in Emmendingen stationiert. Er wird zum Gefreiten befördert, fällt aber am 17. November 1916 an der Somme.

Klara lässt sich zur Krankenschwester ausbilden, in der Zeit von 1929–1931 ist sie nicht in Laupheim wohnhaft, später kehrt sie wieder zu ihren Eltern zurück. Im Oktober 1941 wird sie zusammen mit ihnen der Vater bereits 75, die Mutter 77 Jahre alt in die Wendelinsgrube zwangsumquartiert. Der Besitz der Familie, das Haus Judenberg 17 sowie das Magazin, wird 1942 „zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen.


Die 19jährige Klara Weiler auf einem Foto der Frauenarbeitsschule von 1913. Josef Braun, in dessen Alt-Laupheimer Bilderbogen das Bild abgedruckt ist, hat sie irrtümlich als J. Weil (isr.)“ bezeichnet. John Bergmann und Gretel Gideon haben diesen Irrtum später korrigiert.

Klara verbleibt nur ca. 6 Wochen in der Baracke in der Wendelinsgrube. Bereits am 28. November 1941 wird sie dem ersten Transport über Stuttgart-Killesberg zugeordnet, auf der Liste ist sie als Nr. 18 der 23 Personen umfassenden Gruppe aufgeführt. Der Transport geht nach Riga ins KZ Jungfernhof. Acht Monate überlebte sie noch, ihr Todesdatum wird mit 22. 8. 1942 angegeben. Über die schrecklichen Zustände in diesem KZ erfahren wir mehr in dem Buch „Die Deportation der Juden aus Laupheim von C. Hecht und A. Köhlerschmidt, S. 73. Ihre Eltern harren noch bis zum August des nächsten Jahres in den Baracken aus. Beide werden am 22. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Max stirbt am 16. Januar 1943, fast 77jährig, Jettes Todesdatum ist der 10. Mai 1944 sie ist fast achtzig Jahre alt.

 

 

Quellen:

Bauamt der Stadt Laupheim, Notariat der Stadt Laupheim.

 

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